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Artikel | 08/27/2019 06:00:00

Kunststoffrecycling – bewegen wir uns in die richtige Richtung?

Circa 32 % aller Kunststoffe werden nach einmaligem Gebrauch in den Müll gegeben, wie aus dem 2016 veröffentlichten Bericht von New Plastics Economy hervorgeht. Das EU-weite Verbot von Einwegkunststoffen tritt 2021 in Kraft. Auch für Hersteller anderer Kunststoffproduktkategorien werden striktere Regeln eingeführt.

„Das viel gepriesene neue Gesetz zu Einwegprodukten aus Kunststoff wird das riesige Recycling-Problem nicht lösen. Kunststoffe sind bereits eine stark regulierte Produktgruppe. Sie müssen mit REACH-konformen Chemikalien hergestellt werden, und es gibt enorm viel Gesetze rund um Recycling. Wenn die EU-Verpackungsrichtlinien in allen europäischen Ländern vollständig umgesetzt würden, wäre es nicht nötig, überhaupt Plastik auf Mülldeponien zu entsorgen“, so Vesa Kärhä, CEO des finnischen Verbands der Kunststoffindustrie.

Finnland hinkt bei der Sammlung und dem Recycling von Kunststoffen aus Privathaushalten zwar noch etwas hinterher, schließt aber allmählich zu den europäischen Klassenbesten – der Schweiz und Schweden – auf.

„Wenn man sich die europäischen Vorbilder im Recycling ansieht, fällt auf, dass sie schon seit Langem ein lückenloses Deponieverbot beachten: Sie haben eine billige Deponielösung völlig verboten. Dies wird auch von der europäischen Kunststoffindustrie befürwortet. Natürlich muss die Umsetzung derart gestaltet sein, dass die Betreiber genügend Zeit haben, eine Lösung zu finden. Recycling- und Energieanlagen müssen verfügbar sein“, merkt Kärhä an.

Die Geschichte der Wiederverwendung von Kunststoff begann 1980, als sie zum ersten Mal in der Energieerzeugung eingesetzt wurde. In den 1990er Jahren begannen Privathaushalte, Kunststoff zu recyceln. Seitdem hat sich die globale Recyclingrate um jährlich 0,7 % erhöht. Wenn die aktuelle Entwicklung anhält, werden bis 2050 circa 50 % des Kunststoffs als Energie genutzt und 44 % recycelt. Nur 6 % werden Abfall sein.

Aus dem Bericht Plastics – the Facts 2018 geht hervor, dass 2016 zum ersten Mal mehr Kunststoff recycelt als auf Mülldeponien entsorgt wurde. Im Jahr 2017 wurden 42 % der Kunststoffe zwecks Energiegewinnung verbrannt, 31 % wurden recycelt und 27 % landeten auf Mülldeponien. Eine schwierige Herausforderung für das Recycling ist die Globalisierung des Handels.

„Produkte werden von einem Kontinent zu einem anderen transportiert. In Finnland und Schweden gibt es Recycling- Leitlinien für Verpackungsdesigner und Wertschöpfungsketten. Das Produkt und das Material werden womöglich den Recycling- Leitlinien gemäß hergestellt. Wie aber die Betreiber in den verschiedenen Exportländern verfahren, ist weitgehend unklar. Es gibt jedoch Anzeichen für Fortschritte“, erklärt Kärhä.

 

Text: Saara Töyssy