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Artikel | 02/06/2019 13:47:00

Erneuerbarer Kohlenstoff – der Schlüssel zu einer nachhaltigen Chemieindustrie

Die Chemieindustrie steht vor großen Herausforderungen: Zum einen ist das die Einhaltung der von der Europäischen Kommission definierten Klimaziele, zum anderen sieht sie sich mit zunehmenden Erwartungen an die Nachhaltigkeit konfrontiert. Erstens muss aus fossilen Rohstoffen gewonnene Energie weiter reduziert werden. Zweitens muss die Produktnachhaltigkeit verbessert werden. Und zu guter Letzt müssen die Ressourceneffizienz verbessert, der Rohstoffverbrauch verringert und umweltschädliche Verluststrecken durch die Förderung einer stringenten Kreislaufwirtschaft minimiert werden.

Jedoch wird dabei sehr häufig eine Tatsache vergessen, die untrennbar im Zusammenhang mit den oben genannten Herausforderungen steht: Die Chemieindustrie kann nur dann nachhaltiger werden, wenn sie sich für immer von fossilen Rohstoffen wie Rohöl, Erdgas sowie Kohle verabschiedet und ausschließlich erneuerbaren Kohlenstoff als Rohstoff in der organischen Chemie verwendet.

Was für den Energiebereich die Entkarbonisierung ist, das ist für die Chemie- und Kunststoffindustrie der Wechsel zu Kohlenstoff aus erneuerbaren Quellen. Der gesamte fossile Kohlenstoff, der aus dem Boden gewonnen wird, wird früher oder später in die Atmosphäre freigesetzt. Infolgedessen steigt der atmosphärische CO²-Anteil. Nur ein kompletter Verzicht auf Kohlenstoff kann eine weitere Zunahme des CO²-Anteils in der Atmosphäre verhindern.

Drei Möglichkeiten

Es gibt nur drei Quellen von erneuerbarem Kohlenstoff. Jede einzelne ist dabei gleichbedeutend wichtig im Hinblick auf den kompletten Umstieg auf erneuerbaren Kohlenstoff. Alle drei Quellen sollten in der Industrie gleichermaßen zum Einsatz kommen, das erfordert jedoch die Unterstützung von politischen Entscheidungsträgern und Akzeptanz in der Bevölkerung.

Die erste Möglichkeit ist die Gewinnung von erneuerbarem Kohlenstoff aus bestehendem Kunststoff und anderen organischen chemischen Produkten durch mechanische und chemische Recyclingverfahren. Eine zweite Möglichkeit besteht in der Gewinnung aus Biomasse. Die dritte Möglichkeit ist die direkte Gewinnung von erneuerbarem Kohlenstoff aus fossilen Punktquellen (solange es sie noch gibt) sowie aus permanenten biogenen Punktquellen und durch Direct Air Capture (Verfahren, bei dem CO² aus der Luft gefiltert wird).

Es gibt einige politische Mittel und Maßnahmen, mit denen der Wechsel hin zur Nutzung von erneuerbarem Kohlenstoff in der Chemieindustrie durch die oben genannten Maßnahmen gefördert werden kann. Dazu zählen Steuern auf fossile Brennstoffe, die als Rohmaterial verwendet werden, höhere Kosten für CO²-Emissionen im Rahmen des EU-Emissionshandels sowie Vorschriften zur Festlegung von Zielen für den Anteil an erneuerbaren Rohstoffen in der Produktion sowie zur Berichterstattung, und Mindestquoten für Biopolymere. 

Weitere Informationen finden Sie im vollständigen Bericht:

www.bio-based.eu/nova-papers

 

Text Michael Carus

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Michael Carus  ist seit langem Befürworter der sogenannten „erneuerbaren Kohlenstoffwirtschaft“ und ein Pionier auf dem Gebiet der Bio- und CO2-Ökonomie.