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Artikel | 11/15/2018 12:55:00

Biokraft voraus für Norwegen

Norwegen befindet sich auf einem ehrgeizigen Weg zur Reduktion von Transportemissionen: Laut der norwegischen Umweltorganisation ZERO werden nachhaltige Biokraftstoffe dabei eine wichtige Rolle für das Transportwesen der Zukunft und für die Bioökonomie spielen.

In den letzten Jahren hat Norwegen, der größte Öl- und Gasproduzent Westeuropas, zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um seinen CO²-Fußabdruck zu reduzieren. Die neue Plattform der Regierung setzt auf eine Energiewende und Investitionen in neue Technologien.

„Wir müssen den Verbrauch fossiler Brennstoffe reduzieren und dürfen dabei keine Zeit verschwenden. Hierfür müssen viele Dinge auf einmal geschehen. Die Verwendung von nachhaltigen Biokraftstoffen ist ein wichtiger Teil der Lösung im Transportwesen. Hinzu kommen Elektrofahrzeuge, die mit Batterien oder Wasserstoff betrieben werden. Diese Alternativen sollten nicht miteinander konkurrieren, sondern sich gegenseitig ergänzen“, so Kåre Gunnar Fløystad, Head of Policy and Research bei der Zero Emission Resource Organisation (ZERO).

ZERO ist eine norwegische Nichtregierungsorganisation, die sich für neue Technologien und emissionsfreie Lösungen für alle Sektoren einsetzt. Biokraftstoffe sind dabei eine wichtige Alternative zu fossilen Brennstoffen.

„Gemeinsam mit politischen Entscheidungsträgern arbeiten wir an einer Richtlinie für ein nachhaltigeres Transportwesen. Die Politik ist sich bei diesem Thema einig und auch über die Gründe für die Verwendung von Biokraftstoffen im Klaren. Für die Politik sind Biokraftstoffe ein Teil der Lösung, daher soll die Nachhaltigkeit der Biokraftstoffe erhöht werden“, führt Fløystad aus.

Auch deswegen verweist das neue Regierungsprogramm wiederholt auf den wachsenden Biokraftstoffmarkt in Norwegen.

„Das Ziel der aktuellen norwegischen Richtlinie ist, die Verwendung von Biokraftstoffen im Straßenverkehr bis 2020 um 20 Prozent und bis 2030 um 40 Prozent zu steigern – je nachdem, wie sich die Technologien und andere Alternativen entwickeln. Die Verwendung von nachhaltigen Biokraftstoffen wird auch im nationalen Transportplan stark befürwortet. Derzeit warten wir auf die verpflichtende 1-Prozent-Regelung im Flugsektor, die ab 1. Januar 2019 in Kraft treten wird.“

Gute Aussichten für Biokraftstoffe

Biokraftstoffe hatten in Norwegen ihre „Höhen und Tiefen“, aber im Jahr 2015 wurde eine neue, ehrgeizigere Strategie zur Reduktion der Transportemissionen eingeführt, was zu einer wachsenden Verwendung der Biokraftstoffe führte. Manche Biokraftstoffe haben sich als umweltfreundlicher erwiesen als andere, und die Nachhaltigsten werden nun gefördert.

Laut Fløystad hegt man die Hoffnung, dass Norwegen seine fortschrittlichen forstbasierten Biokraftstoffe vermehrt verwendet. Auch wenn forstbasierte Biomasse, vor allem in den nordischen Ländern, gutes Rohmaterial für Biokraftstoffe liefert, ist eine gewisse Skepsis immer noch vorhanden.

„Es wurde eingewendet, dass nicht genügend nachhaltiger Biokraftstoff vorhanden sei, um die Verwendung fossiler Brennstoffe zu reduzieren. Aber wir bei ZERO sehen Biokraftstoff nicht als einzige Alternative zu fossilen Brennstoffen. Am besten wäre eine Kombination aus Biokraftstoffen und Fahrzeugen, die mit Batterien und Wasserstoff betrieben werden.“

Die Landschaft von Norwegen ist von Wäldern geprägt – einer Ressource, die nach Fløystad effizienter genutzt werden könnte. 

„In der norwegischen Papier- und Zellstoffindustrie wurden eine Reihe von Werken stillgelegt, weshalb wir nun ziemlich viel Holz nach Schweden, Deutschland und in andere Länder exportieren. Wir sollten herausfinden, wie wir dieses Rohmaterial für eine grüne Industrie gewinnbringender nutzen könnten.“

Weltweiter Marktführer bei Elektroautos

Elektroautos sind in Norwegen sehr beliebt: Ihre Verbreitung ging hier schneller vonstatten als in anderen Ländern. Dies hat laut Fløystad mehrere Gründe:

„Aufgrund von Steuerbegünstigungen für neue Autos, die keine bzw. nur geringe Emissionen freisetzen, sowie einer Regelung, die verschiedene Anreize bietet, sind die Verkaufszahlen für Elektroautos hoch.“

In Oslo, der Hauptstadt Norwegens, litt die Bevölkerung vor allem im Winter unter schlechter Luft. Zahlreiche Maßnahmen wurden ergriffen, um dieses Problem zu lösen, darunter ein Mautsystem mit hohen Gebühren, das zwischen Lösungen mit hohen, geringen und keinen Emissionen unterscheidet.

„Dieselautos wurden in Oslo zwar noch nicht verboten, aber die Kraftfahrzeugsteuer wird erhöht werden. Außerdem wurden emissionsfreie Zonen für das Stadtzentrum vorgeschlagen. Dort werden in Zukunft keine oder ausschließlich Null-Emissionen-Autos verkehren.“

In norwegischen Städten dürfen Elektroautos auf der Überholspur fahren, die ansonsten öffentlichen Transportmitteln und Taxis vorbehalten ist.

„Die Benutzung der Überholspur war ein großer Anreiz für die Bevölkerung, auf Elektroautos umzusteigen, da es viele Staus gibt. Mit der steigenden Anzahl an Elektroautos müssen die Behörden diesen Vorteil nun langsam einschränken. Daher darf die Überholspur während der Stoßzeiten nur noch benutzt werden, wenn im Elektroauto noch eine weitere Person mitfährt.“

Aufgrund des erwarteten schnellen technischen Fortschritts in den kommenden Jahren vermutet Fløystad, dass noch mehr Menschen auf Elektroautos umsteigen werden.

Eine blendende Zukunft für Biokrafftstoffe im Schwerlastbereich

Aufgrund des neuen norwegischen Regierungsprogramms und Transportplans vermutet Fløystad, dass Biokraftstoffe beim Transport von Schwerlasten sowie im Schiffs- und Flugverkehr zunehmend an Bedeutung gewinnen werden.

„Für den Schwerlasttransport wird es Fortschritte bei den Hybridlösungen geben, die Batterien, Wasserstoff und verschiedene Biokraftstoffe kombinieren. Bei den Elektrofähren hat sich bereits ein Wechsel vollzogen – manche sind auf Batterien umgestiegen, manche sind hybrid, manche verwenden Biodiesel und manche fortschrittlichen Biokraftstoff. Bis 2025 sollen alle Fähren frei von fossilen Brennstoffen werden. Dieser Trend ist auch in anderen Bereichen der Schifffahrtsindustrie zu beobachten.“

Norwegen befasst sich derzeit auch mit dem Flugverkehr und zieht die Möglichkeit in Betracht, kleine vollelektrische Flugzeuge und hybride Motoren einzuführen. Sie könnten auch mit flüssigem Kraftstoff, möglicherweise Biokraftstoff, betrieben werden.

„Es sieht ziemlich vielversprechend aus, auch wenn es noch Jahre dauern wird, bis wir unsere Ziele erreichen. Doch die Aussichten für Biokraftstoffe sind gut, vor allem im Schwerlast‑

bereich des Transportwesens.“

ZERO arbeitet zusammen mit UPM für ein grüneres Transportwesen

Im Großen und Ganzen glaubt Fløystad an eine vielversprechende Zukunft für fortschrittliche Biokraftstoffe. Sie müssen als Teil der Bioökonomie angesehen werden – als Lösung, die auch für andere Märkte von Vorteil sei, in denen Produkte auf fossiler Basis durch Produkte auf Biobasis ersetzt werden. Ein Beispiel dafür ist die petrochemische Industrie.

„Es ist interessant, dass UPM sich diesem Bereich der Bioökonomie widmet, denn in Zukunft wird es eine starke Tendenz geben, Petrochemikalien zu ersetzen. Dieser schnell wachsende Markt benötigt dringend nachhaltige, erneuerbare Alternativen. Biokraftstoffe und andere Chemikalien können hier Hand in Hand gehen.“

UPM und ZERO arbeiten seit 2018 zusammen – mit dem Ziel, die grüne Wende im Transportwesen und in der petrochemischen Industrie zu fördern.

„Wir kennen UPM seit mehreren Jahren und verfolgen die Geschäftsentwicklung mit großem Interesse – nicht nur mit Blick auf Biokraftstoffe, sondern auch andere Bereiche. Die Entwicklung von einem traditionellen Forstunternehmen zum heutigen UPM hat uns sehr beeindruckt. In Zukunft werden wir von UPM noch mehr Einblicke in die Arbeitsweise des Unternehmens erhalten, damit wir unsere Zusammenarbeit zur Förderung der grünen Wende verbessern und die Verwendung von erneuerbaren Kraftstoffen anstelle von fossilen Brennstoffen im Transportwesen vorantreiben können.“  

ZERO

ZERO EMISSION RESOURCE ORGANISATION

  • Norwegische Nichtregierungsorganisation zur Reduzierung von Treibhausgasen. Gegründet 2002.
  • Fördert emissionsfreie Energien und Technologien ohne fossile Brennstoffe, darunter Elektroautos und Ladestationen, CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS), erneuerbare Energien, Elektrifizierung von Offshore-Anlagen, Bioökonomie, klimafreundliche Konstruktions- und Baumethoden und Plastikproduktion ohne fossile Brennstoffe.

 

Fotos UPM; freundlicher Genehmigung des Interviewpartners

Text Saara Pakarinen