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Artikel | 04/07/2020 05:13:26

Das Beste aus zwei Welten

Eine typische Szene in einem Klassenzimmer: die Schüler sind mehr oder weniger aufmerksam, sie schreiben sich etwas auf oder machen Notizen auf dem Laptop. Schulen auf der ganzen Welt machen die Erfahrung, dass die gleichzeitige Nutzung von Print und Digital zur Optimierung des Lernergebnisses beitragen kann.

Die digitale Technologie hat unsere Lebensweise verändert – und damit auch die Art und Weise, wie wir lernen.

Auf Geräten im Taschenformat können wir ganze Bibliotheken mit uns herumtragen, und moderne elektronische Kinderbücher kombinieren spannende Inhalte mit interaktiven Funktionen für effektiveres Lernen. Im Bildungsbereich besteht kein Zweifel: der digitalen Technologie gehört die Zukunft.

Sowohl digitale Medien als auch Druckmedien spielen eine wichtige Rolle im Klassenzimmer und zu Hause. Aber was sind ihre jeweiligen Vorteile?

„Die Produktion von digitalen Texten ist in der Regel günstiger. E-Books und Smartphones ermöglichen in Entwicklungsländern mehr Schülern den Zugang zu Unterrichtsmaterial,“ erklärt Natalia Kucirkova, Professorin für Bildung und Entwicklung im frühen Kindesalter an der University of Stavanger, Norwegen.

Digitale Texte bieten auch einzigartige Möglichkeiten, Menschen mit besonderen Bedürfnissen oder Lernschwierigkeiten zu unterstützen. Die Leser können die Schriftgröße einfach anpassen oder gesprochene Erklärungen abspielen. „Auch Kinder, die eher ungern lesen, bevorzugen oft digitale Texte“, so Kurcikova.

Einige der Vorteile von Print – die Möglichkeit, ganz in einen Text einzutauchen oder das starke Mitfühlen mit den Figuren in einer Geschichte – treffen eher auf Erwachsene zu als auf junge Leser, so Kucirkova. „Da Erwachsene und Kinder unterschiedlich lange Aufmerksamkeitsspannen haben, lässt sich die Leseerfahrung zwischen Druck und Digital nur schwer vergleichen.“

Aber das ist längst nicht alles. Lauren Singer Trakhman, klinische Assistenzprofessorin an der University of Maryland, erklärt, dass das digitale Lesen besondere Anforderungen an das Gehirn stellt. „Das Lesen von digitalem Text verbraucht mehr Arbeitsspeicher im Gehirn, da der Leser auf dem Bildschirm auf- und ab scrollen und die Hintergrundbeleuchtung verarbeiten muss“, erklärt sie. „Es gibt auch Belege dafür, dass Schüler beim Lesen digitaler Texte eher dazu tendieren, den Text nur zu überfliegen.“

Print spielt eine wichtige Rolle im Bildungswesen

Die Forschungsarbeit von Trakhman mit Studenten hat gezeigt, dass Leser Inhalte besser verstehen, wenn sie sie in gedruckter Form aufnehmen. Es findet eine „tiefere Verarbeitung“ statt und wichtige Abschnitte werden mehrmals gelesen.

„Wenn Kinder gedruckte Texte lesen, können Sie in einem Bilderbuch die dazugehörigen Abbildungen besser zuordnen als online, weil sie sich in einem gedruckten Text besser zurechtfinden“, ergänzt Trakhman.

Im Klassenzimmer spielt Print nur dann noch eine Rolle, wenn es um Themen geht, die eine tiefergehende Analyse erfordern. Für digitale Leser kann es sinnvoll sein, aufmerksames Lesen zu üben, so Trakhman. Wie auch immer: Lesen ist großartig – egal in welchem Medium.“

Naomi Susan Baron , Professorin für Linguistik im Department of World Languages and Cultures an der American University, erzählt, dass die Umsätze mit Print in den USA trotz der Verbreitung digitaler Technologie weiterhin stabil bleiben.

„Druckerzeugnisse gibt es in der westlichen Welt seit Mitte des 15. Jahrhunderts“, so Baron. „Print ist unglaublich praktisch – einfach zu nutzen, tragbar und langlebig. Wir haben andere Medien kommen und gehen sehen – denken Sie an den Mikrofilm und die Diskette. Aber ich glaube, dass Print noch viele Jahre lang seine Berechtigung haben wird.“

 

Text: Ben Hargreaves
Fotos: Susie Hadeed