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Artikel | 11/19/2019 07:00:00

Warum die Welt moderne Bioenergie braucht

Der Bioenergieverbrauch muss bis 2060 ver vierfacht werden, um den Klimawandel zu mindern. Die Internationale Energieagentur IEA spricht sich daher für eine stärkere Nutzung hochmoderner Biokraftstoffe im Transportwesen aus.

Aus dem im Oktober veröffentlichten Bericht Renewables 2018 ergibt sich, dass die IEA eine Umstellung auf nachhaltige Biokraftstoffe stark befürwortet. Laut der IEA spielen moderne Bioenergien eine wichtige Rolle im Kampf gegen die globale Erwärmung.

„Durch die stärkere Nutzung moderner Bioenergie können wir auch die Energiesicherheit verbessern, die Energieerzeugung diversifizieren und die Luftverschmutzung reduzieren“, so Paolo Frankl, Leiter der Abteilung für erneuerbare Energien bei der IEA.

Bei moderner Bioenergie wird Biomasse für moderne Heiztechnologien, die Stromerzeugung und Kraftstoffe verwendet. Viele Entwicklungsländer stützen sich jedoch beim Heizen und Kochen nach wie vor auf herkömmliche Holzverbrennungsmethoden. Frankl erklärt, dass moderne Bioenergie trotz des starken Wachstums der Wind­ und Solarenergie die wichtigste Form der erneuerbaren Energie weltweit ist. Die Hälfte der 2017 verbrauchten erneuerbaren Energie war Bioenergie.

„Es ist zwar wichtig, mehr Wind­ und Solarenergie zu erzeugen, aber dabei wird meist das enorme Potenzial der Bioenergie übersehen. Es wurde bisher zu wenig getan, um die Nutzung zu fördern.“

Emissionsfreie Zukunft

Der neue IEA­Bericht baut auf der im vergangenen Jahr veröffentlichten Technologie­Roadmap auf, die Vorschläge bis zum Jahr 2060 enthält. Auch die Roadmap betont die wachsende Bedeutung von nachhaltig produzierter Bioenergie und hochmodernen Biokraftstoffen für die Reduzierung von Emissionen.

Laut IEA­Roadmap betrug der Anteil der modernen Bioenergie am weltweiten Energieverbrauch im Jahr 2015 insgesamt 4,5 Prozent. Im Jahr 2060 dürfte dieser Wert bei fast 17 Prozent liegen. Das bedeutet, dass Bioenergie bis 2030 verdoppelt und bis 2060 vervierfacht werden muss.

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„Bioenergie ist im nachhaltigen Entwicklungsszenario der IEA enorm wichtig, weil sie für die kontinuierliche Ablösung fossiler Brennstoffe durch nachhaltige Energie unerlässlich ist“, betont Frankl.

Die IEA berichtet, dass der Einsatz von Solar­ und Windenergie bei der Stromerzeugung zwar weiter zunimmt, Bioenergie jedoch derzeit die einzige multifunktionale Form erneuerbarer Energie ist, die neben Strom und Wärme auch Kraftstoffe für das Transportwesen direkt erzeugen kann.

Frankl merkt an, dass wir nicht nur Emissionen reduzieren, sondern auch aktiv große Mengen Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernen sollten.

„Der Einsatz von nachhaltig produzierter Bioenergie in Verbindung mit der Kohlenstoffabscheidung und ­speicherung ist für die langfristige Verwirklichung einer emissionsfreien Welt unverzichtbar.“

Roadmap für ein umweltfreundlicheres Transportwesen

Die IEA­Roadmap unterstreicht die wachsende Rolle, die Biokraftstoffe künftig spielen werden. Der Biokraftstoffverbrauch dürfte sich bis 2030 verdreifachen und bis 2060 verzehnfachen.

Obwohl der Einsatz im Transportsektor stetig zunimmt, geht die IEA davon aus, dass im Jahr 2023 immer noch weniger als 4 % des Gesamtenergieverbrauchs im Transportsektor mit Biokraftstoffen gedeckt werden. Biokraftstoffe sind jedoch die im Transportwesen am häufigsten genutzte Form erneuerbarer Energie und haben gegenwärtig einen Anteil von etwa 90 %. Dieser Anteil dürfte trotz der wachsenden Anzahl von Elektro autos weiterhin groß bleiben.

Nach Frankl ist Elektromobilität eine positive Sache, aber sie wird allein nicht ausreichen. Biokraftstoffe werden auch künftig die Dekarbonisierung des Transports ergänzen. Er fügt hinzu, dass die Bedeutung von Biokraft stoffen im Laufe der nächsten Jahrzehnte zunehmen wird, insbesondere im Schwerlast­, See­ und Flug verkehr. Außerdem werden Biokraftstoffe für Hybridfahrzeuge und Ver bren nungs motoren benötigt. Einer der Vorteile von Biokraftstoffen ist, dass sie bereits heute in modernen Verbrennungsmotoren eingesetzt werden können.

Die IEA betont, dass hochmoderner Biokraftstoff in den kommenden Jahren eine immer größere Rolle spielen wird. Ein gutes Beispiel ist UPM BioVerno auf Holzbasis mit erwiesener maßen hoher Nachhaltigkeit.

Fakten statt Irrglaube

Biokraftstoffe der ersten Generation werden aus Rohstoffen hergestellt, die mit der Nahrungsproduktion verbunden sind, wie etwa Mais und Ölpflanzen. Aus der Perspektive der Nachhaltigkeit, so argumentiert Frankl, bieten hochmoderne Biokraftstoffe, die aus Abfall, Reststoffen und Seitenströmen der Forst­ und Landwirtschaft hergestellt werden, den Vorteil, dass sie nicht mit Nahrungspflanzen konkurrieren und generell eine stärkere Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen ermöglichen.

Die Steigerung der Biokraftstoffproduktion setzt laut Frankl mehr Investitionen, technologische Fortschritte und die Kommerzialisierung von Innovationen voraus. Darüber hinaus fordert er effiziente Marktmechanismen und die Beseitigung unnötiger Hindernisse für den Marktzugang.

„Die nachhaltige Nutzung von Bio kraftstoffen muss durch die richtige Art von Richtlinien und gesetzlichen Vorschriften gefördert werden.“

Die Förderung nachhaltiger Biokraftstoffe für einen emissionsarmen Transport steht seit Langem auf der Tagesordnung der EU. Biokraftstoffe müssen darüber hinaus strenge Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, um negative Auswirkungen der Produktion auf die Umwelt zu vermeiden.

Die IEA überprüft sorgfältig, wie sich Biokraftstoffe während ihres Lebens zyklus auf die Umwelt und andere Bereiche auswirken, um sicherzustellen, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht.

„Wir sind sicher, dass  nachhaltige Biokraftstoffe mit verschiedenen Techno logien und Rohstoffen hergestellt werden können“, so Frankl.

Leider scheint die Debatte über Biokraftstoffe insbesondere in Europa polarisiert zu sein. Überholte und falsche Vorstellungen sind laut Frankl immer noch weit verbreitet. Ein häufiger Irrtum ist, dass Biokraftstoffe nur aus nahrungsmittelbasierten Rohstoffen hergestellt werden können: „Es ist wichtig, bei den Fakten zu bleiben“, schließt Frankl.

 

Text: Matti Remes