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Artikel | 08/10/2019 06:00:00

Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit

Erneuerbare Biokraftstoffe und Sperrholz bieten solide Lösungen für den umweltfreundlichen Transport – ohne kostspielige Investitionen in neue Fahrzeuge oder Kraftstoffverteilungssysteme.

Die mit dem Klimawandel einhergehenden Herausforderungen geben überall auf der Welt Anlass zu tiefer Besorgnis und sind Gegen stand  heftiger Debatten. Hand lungs bedarf besteht insbesondere im Transport wesen, das derzeit der Hauptverur sacher von CO2­Emissionen ist. Ein nachhaltiges Transport modell wäre zwar für alle von Vorteil, aber es ist nicht immer einfach, Umweltziele mit alltäglichen persönlichen Bedürfnissen in Einklang zu bringen.

Glücklicherweise gibt es Experten wie das VTT Technical Research Centre in Finnland, die der Frage nachgehen, wie Länder wie Finnland die in Paris vereinbarte Halbierung des verkehrsbedingten Ausstoßes von Treibhausgasen bis 2030 verwirklichen können.

Der Weg dorthin ist steinig, so Nils-Olof Nylund, VTT Senior Advisor für Motoren, Fahrzeuge und Kraftstoffe: Bestehende Fahrzeugflotten und Kraftstoffe erfüllen einfach nicht die anspruchs  vollen Umweltstandards.

„Stellen Sie sich vor, Sie zögen alle vorhandenen Busse, LKW und Lieferwagen sowie 15 % der PKW aus dem Verkehr. Wir müssen die Anzahl der gefahrenen Kilometer pro Fahrzeugkategorie pro Jahr reduzieren und die Energieeffizienz von Fahrzeugen und die im Transport verwendete Energie verbessern”, erläutert Nylund.

Ein Fünftel der finnischen CO2­Emissionen wird vom Transportsektor verursacht. 90 % davon entfallen auf den Straßenverkehr. PKW machen etwa 60 % der Straßenemissionen aus und LKW ein Drittel. Der Umstieg von fossilen Brennstoffen auf emissionsarme Alternativen wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Nach Berechnungen der VTT­Forschungs gruppe könnte der Ausstoß von Treib hausgasen bis 2030 halbiert werden, wenn 30 % aller Kraftstoffe für das Transportwesen erneuerbare Bio kraftstoffe wären und wenn mit fossilen Kraftstoffen betriebene Fahrzeuge durch 250.000 Elektro autos und 50.000 Biogasautos ersetzt würden.

Elektro­ und Biogas­Fahrzeuge sind zwar gute Alternativen, aber es wäre unsinnig zu erwarten, dass jeder in ein teures neues Fahrzeug investiert. Die einfachste und effektivste Methode zur Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen besteht somit darin, in bestehenden Motoren mehr  erneuerbares Ethanol und Diesel zu  verwenden. Biokraftstoffe sind auch für Fern verkehrsfahrzeuge, Schiffe und Flug zeuge geeignet.

„Es ist widersinnig, Elektro autos und Biokraftstoffe als Kontrahenten darzustellen, weil beide erforderlich sind. Durch erneuer bare Biokraftstoffe können Emissionen erheblich reduziert werden, und Finnland hat hier eine Vorreiterrolle inne. Vollwertige Biokraftstoffe, die keine Änderungen an aktuellen Kraftstoffverteilungssystemen und Fahrzeugen erfordern, sind am sinnvollsten.“

Made in Finnland

Finnische Unternehmen haben hochmoderne Biokraftstoffe entwickelt, die aus Abfällen, Rest stoffen und Nebenprodukten der Land­ und Forst wirtschaft erzeugt werden. Diese Biokraftstoffe der zweiten Generation sind sauberer denn je und konkurrieren nicht mit Nahrungspflanzen.

In seiner Bioprozessanlage erzeugt UPM aus Tallöl, einem Nebenprodukt der Zell stoffh erstellung, erneuerbaren UPM BioVerno Diesel sowie UPM BioVerno Naphtha, eine Komponente für Benzin.

Als reiner Kohlenwasserstoff hat UPM BioVerno Diesel die gleichen Eigenschaften und den gleichen Energiegehalt wie fossiler Diesel kraft stoff und ist somit vollständig mit den bereits verwendeten Verteilersystemen kompatibel. Im Gegensatz zu herkömmlichem Bio diesel kann BioVerno als Teil eines Gemischs oder allein verwendet werden. Sein Ausstoß von Treibhausgasen in der gesamten Produktionskette ist bis zu 80 % niedriger als bei herkömmlichem Diesel.

BioVerno empfiehlt sich als Sofortlösung zum Ersatz  fossiler Brenn stoffe. Er wird in Finnland her gestellt und erfüllt erforderliche Nachhaltigkeitskriterien.

Es wurde in Bussen und Industriemaschinen im Ballungsgebiet Helsinki getestet. Diese Tests bestätigen, dass der Kraftstoff Emissionen messbar reduziert. UPM wirkt an dem von VTT koordinierten BioSata­Projekt mit, bei dem es darum geht, den regionalen Busservice von Helsinki (HSL) und die städtische Bau flotte vollständig auf Biokraftstoffe umzustellen.

Die 1.400 Busse Helsinkis verbrauchen 40.000 Tonnen Kraftstoff pro Jahr. Dies entspricht weniger als ei nem Zehntel der finnischen Jahresproduktion von Biokraftstoff, die 500.000 Tonnen beträgt. Um den transportbedingten Ausstoß von Treib hausgasen zu halbieren, muss Finnland bis 2030 etwa 800.000 Tonnen Biokraftstoff pro Jahr produzieren.

Im Februar verabschiedete das finnische Parlament ein Gesetz, nach dem Kraftstoffunternehmen den Anteil der Biokraftstoffe in herkömmlichem Benzin und in Diesel bis 2030 schrittweise um 30 % erhöhen müssen. Für hochmoderne Biokraftstoffe wurde zudem ein ambitioniertes Ziel von 10 % festgesetzt, das bisher noch von keinem Land erreicht wurde.

Das neue Biokraftstoff­Gesetz regt Unternehmen dazu an, in umweltfreundlichere Alternativen zu investieren und garantiert so das Überleben der Biokraftstoffindustrie.

Blick über das Auspuffrohr hinaus

Der Weg zur Nachhaltigkeit im Transportwesen ist recht einfach: Die Lö sung besteht schlicht darin,  fossile Brennstoffe durch erneuerbare Alternativen zu ersetzen. Die Gesetzgebung rund um Automobilherstellung und Emissionsstandards ist nach wie vor auf CO2­ Emissionen aus dem Auspuffbeschränkt. Dabei wird aber ein Teil der Umweltauswirkungen außer Acht  gelassen.

„Wenn man nur bis zum Abgasrohr schaut, ist das Bild unvollständig. Besser ist es, im Rahmen einer Well­to­Wheel­Analyse den Energieverbrauch und die Emissionen des gesamten Prozesses von der Herstellung bis zum Ende der Lebensdauer zu untersuchen. Diese vollständige Lebens zyklusanalyse berücksichtigt nicht nur den Energieverbrauch, sondern auch alle Emissionen bei der Fahrzeugherstellung und beim Recycling“, betont Nylund.

Kohlendioxid wird auch bei der Verbrennung von erneuerbarem Diesel und Ethanol als Abgas freigesetzt. Biokraftstoff wird jedoch insgesamt als emissionsfrei eingestuft, weil das Kohlendioxid zirkuliert und zurückgewonnen wird. Die einzigen echten Emissionen entstehen bei seiner Produktion.

In gleicher Weise sollten auch die bei der Energieproduktion entstehenden Emissionen berücksichtigt  werden. Nehmen wir einmal das abgasfreie Elektroauto: In Ländern wie Australien, Indien und China, in denen Kohle bei der Stromerzeugung eine große Rolle spielt, erzeugen Elektroautos mehr  CO2­Emissionen als herkömmliche Verbrennungsmotoren.

Nylund ist der Ansicht, dass die größte Herausforderung darin besteht, Biokraftstoffe nachhaltig und kostengünstig herzustellen. Derzeit  werden weltweit pro Jahr fünf Millionen Tonnen erneuerbarer Diesel produziert – was gerade einmal reicht, um herkömmlichen Diesel in Europa neun Tage lang zu ersetzen.

Weniger Fahrzeuge, bessere Systeme

Das Ziel Finnlands, den transportbedingten Ausstoß von Treibhausgasen zu halbieren, erfordert nicht nur Energieeffizienz, sondern auch weniger Fahrzeuge auf der Straße. Daher müssen Pendler ermutigt werden, wann immer möglich auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Auch bei der Logistik muss sich etwas tun. Zum Beispiel sollten LKW möglichst oft mit voller Ladung fahren. Hierfür gibt es bereits vielfältige Verkehrsfluss­ und Logistikplanungssysteme. In Hinblick auf Transporteffizienz und einen reibungslosen Verkehrs fluss gibt es aber noch viel zu tun.

UPM Plywood hat Transportprodukte entwickelt, die die Beladung von LKW erleichtern und gleichzeitig die Transportkapazität steigern.

„Sperrholz hat ein ausgezeichnetes Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht. Dies bedeutet weniger Ausrüstung und Kraftstoff und gleichzeitig mehr Nutzlast“, so Juha Patovirta, End Use Manager bei UPM Plywood.

Produkte wie WISA Top Grip Evo2 der zweiten Generation tragen dank der rutschfesten Beschichtung zu einer schnelleren Beladung und mehr Sicherheit bei. Solche Lösungen können erhebliche Vorteile bringen, insbesondere in Entwicklungsmärkten, wo der Wechsel zu leichten, beschichteten Sperrholzböden in LKW noch in den Kinderschuhen steckt. Viele Länder haben die Begrenzung und Kontrolle des maximal zulässigen Fahrzeuggewichts noch nicht einmal ins Auge gefasst.

Die Messung der CO2­Emissionen konzentriert sich auf Fahrzeugmotoren und Kraftstoffe. Daher sind regulatorische Anreize primär auf Automobilhersteller ausgerichtet. Wie stark sich Logistikfirmen für Nach haltigkeitsziele einsetzen, hängt daher allein von ihrer Bereitschaft ab, neue Lösungen zu entwickeln und  auszuprobieren.

 

Text: Janne Suokas